Moderne

Am 28. Mai 1918 wurde die Volksrepublik Aserbaidschan, mit der Hauptstadt Gändschä, ausgerufen. Dieser Staat, der die erste parlamentarische Demokratie überhaupt im islamischen Orient war, hielt 23 Monate. Im Laufe ihrer kurzfristigen Existenz hatte die Republik sichtbare Errungenschaften erreicht. Zum Beispiel, die neue Gesetzgebung vom Jahre 1918 hatte das universale Wahlrecht für alle gewährleistet. Das arabische Alphabet wurde durch die lateinische Schrift ersetzt, eine wahrhaft revolutionäre Tat, die Aserbaidschan den Zugang zur Wissenschaft und der Technik des Westens ermöglichte. Die erste Universität in Baku – Bakuer Staatliche Universität wurde gegründet. Die Grundbesitzreform wurde abgehalten, die multinationale Regierung mit einem vielparteilichen und multinationalen Parlament wurde gegründet. Im Januar 1920 wurde Aserbaidschan de facto von den Alliierten als unabhängiges Land anerkannt. Aber am 28. April 1920 wurde die Volksrepublik Aserbaidschan durch Sowjetrussland erobert, womit Aserbaidschan abermals seine Freiheit einbüßte. Von 1922 bis 1936 war Aserbaidschan Mitglied der Transkaukasischen Föderativen Sowjetrepublik der UdSSR, dann erfolgte die Eingliederung der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik in die UdSSR.

Aserbaidschan erlebte gemischte Erfahrungen als Unionsrepublik. Sein Reichtum stand ausschließlich den Machthabern in Moskau zur Verfügung, die Aserbaidschan und seine Bodenschätze rücksichtslos ausbeuteten. Das Sowjetregime gab sich große Mühe, die Anstrengungen der aserbaidschanischen Intelligenz, die eigene ethnische Identität zu manifestieren und die wahre Geschichte des Landes zu studieren, zu unterdrücken. Während der Sowjetzeit wurden die Gebiete Sängäsur, ein Teil Nachtschywans und andere Kreise aus Aserbaidschan ausgegliedert und dem benachbarten Armenien zugeschlagen. Im Ergebnis wurde das Territorium Aserbaidschans, das in der Zeit der ersten Republik 114 000 Quadratkilometer groß war, bis 1921 auf 86 000 Quadratkilometer verkleinert.

1988 bis 1990 setzte sich die nationale demokratische Bewegung Aserbaidschans kraftvoll für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit ein. Am 23. September 1989 zählte Aserbaidschan zu den ersten Sowjetrepubliken, die ihr eigenes Verfassungsgesetz „Über die Unabhängigkeit“ annahmen. Um diese Bewegung zu unterdrücken, wurden am 20. Januar 1990 mit Zustimmung des damaligen Generalsekretärs des KPdSU Michail Gorbatschow Truppeneinheiten nach Baku entsandt. Ihre Aktionen, die mit ungewöhnlicher Grausamkeit geführt wurden, hinterließen Hunderte tote und verletzte Aserbaidschaner. Trotz dieser Rückschläge mündete der Unabhängigkeitskampf der patriotischen Kräfte in die Annahme der Erklärung „Über die Wiederherstellung der Staatlichen Unabhängigkeit der Republik Aserbaidschan“ am 31. August 1991. Am 18. Oktober 1991 wurde das Gesetz bestätigt, das die staatliche Unabhängigkeit etablierte. Es gründete sich die Republik Aserbaidschan. 1995 wurde die Verfassung der jungen Republik angenommen.

1988 noch in den Zeiten der ehemaligen UdSSR hat Armenien angefangen, gegen Aserbaidschan Gebietsansprüche zu erheben. Als Folge der ethnischen Säuberung wurden bis 1989 250.000 in Armenien lebende Aserbaidschaner aus dem Land vertrieben. Bis 1993 eroberte Armenien mit der ausländischen Militärhilfe 20% (16.000 km 2 ) des gesamten Staatsgebietes Aserbaidschans. Die bitterste Folge dieser Eroberung war die Vertreibung der 750.000 Aserbaidschaner (50.000 aus der Berg-Karabach Region und 700.000 aus den umliegenden 7 Regionen) aus diesen Gebieten Aserbaidschans. Somit drängten rund eine Million Flüchtlinge aus den eroberten Gebieten in die Städte Aserbaidschans, mit allen negativen Folgen der Arbeitslosigkeit, Problemen der Versorgung, der Hygiene, des Zusammenlebens auf engstem Raum. Seit Ende 1994 herrscht ein Waffenstillstand zwischen beiden Ländern. Die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien werden im Rahmen der OSZE-Minsker Gruppe fortgesetzt, aber bisher ohne jeglichen Erfolg.

Heute ist Aserbaidschan Mitglied vieler internationaler Organisationen wie Europarat, UNO, OSZE, Nato-Programm “Partnerschaft für Frieden”, Neue Nachbarschaftspolitik der EU, Euroatlantischer Partnerschaftsrates u.s.w. Aserbaidschan ist heute ein sich rasch demokratisch und wirtschaftlich entwickelnder Staat mit aussichtsreichen Zukunftsperspektiven, in dem trotz der kommunistischen und totalitären sowjetischen Vergangenheit und eines gegen ihn gerichteten zerstörerischen Okkupationskrieges Armeniens demokratische Institutionen nachhaltig aufgebaut werden und sich eine aktive Bürgergesellschaft allmählich etabliert.

Die Rolle von Präsident Hejdar Alijew, der nach seiner Machtübernahme 1993 den Bürgerkrieg und die Zersplitterung des Landes verhinderte und sich 10 Jahre lang der Verstärkung der Unabhängigkeit der Republik widmete, ist hochzuschätzen. Seine Außen- und Innenpolitik wird heutzutage erfolgreich von Präsident Ilham Alijew fortgesetzt.