Neuzeit

Ende des 16. Anfang des 17. Jahrhunderts geriet Aserbaidschan unter Kontrolle der Osmanen und nach der Ermordung von Schah Nadir 1747 entstanden über 20 kleine aserbaidschanische Staaten (Chanate) wie Karabach, Schäki, Kuba, Nachtschywan, Derbent, Talysch u.s.w. Berg-Karabach, das von aserbaidschanischen Moslems und albanischen Christen bewohnt wurde, war Teil des aserbaidschanischen Khanats Karabach, das sich zwischen den Flüssen Kür und Aras erstreckte. Auch die örtlichen Herzogtümer – Melikdoms – Disak, Gülüstan, Chatschyn, Tschiläberd und Wärändä waren Teil des Karabach-Chanats.

Die Chanate stritten heftig miteinander um die Herrschaft über das ganze Land. Dieser Zustand war sehr behilflich für die Durchsetzung der Eroberungspläne Russlands und Persiens gegenüber Aserbaidschan. Eine ganze Reihe der Chanate griffen zu den Waffen, um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen. Am 14. Mai wurde am Ufer des Flusses Kür, an einem Ort genannt Küräktschaj, ein Vertrag mit dem aserbaidschanischen Chan Ibrahim Chälil unterzeichnet, gemäß dem sich das unabhängige Chanat Karabach russicher Oberhoheit unterwarf. Dieser Vertrag hat bis heute Bedeutung, denn er beweist, dass Karabach auch historisch ein Teil Aserbaidschans war.

Nach langjährigem Eroberungskrieg zwischen Russland und Persien wurde im Jahre 1828 in Türkmäntschaj, in der Nähe von Täbris, ein Abkommen unterzeichnet, das die folgenschwere Aufteilung Aserbaidschans unter die beiden Siegermächte brachte. Ganz Nordaserbaidschan nördlich des Flusses Aras fiel an Russland, die Gebiete südlich davon fielen an Persien. Zur Festigung seiner Fremdherrschaft in Südkaukasus siedelte Russland hier aus dem Iran und der Osttürkei an die 200.000 Armenier, vor allem in Berg-Karabach (120.000 davon), aber auch in Nachtschywan und Jerewan. Nach einem Erlass von Zar Nikolai I. vom 21. März 1828 wurden die Chanate Nachtschywan und Jerewan aufgelöst und durch eine neue administrative Einheit – das Gebiet Armenien – ersetzt, dass von russischen Beamten verwaltet wurde. 1849 wurde das Gebiet Armenien in die Provinz Jerewan umbenannt. Zudem konnten die Armenier die Russen überzeugen, das Albanische Patriarchat, das in Aserbaidschan weiterhin bestand, aufzulösen und dessen Eigentum der armenischen Kirche zu übergeben.

Das Kolonialjoch führte zu Aufständen. Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer gewissen Verzögerung, bedingt durch die Fremdherrschaft, erreichten die Ideen der Aufklärung Aserbaidschan, das Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit brach sich Bahn. Die Arbeiter- und Bauernbewegung bildeten sich rasch heraus, alles geprägt von Nationalstolz und Streben nach Selbstständigkeit. Die Revolution von 1917 und der Zusammenbruch des Zarenreichens boten Aserbaidschan die Chance, auf die es so lange gewartet hatte.